Ruprechtsviertel

Marc Aurel

Im 2. Stockwerk des Hauses Marc Aurel Strasse Nr. 6 ( der Marc Aurel Hof) befindet sich in einer Mauernische eine überlebens-grosse Statue des römischen Kaisers:

Marc Aurel Statue

Marc Aurel war vom  Jahre 161 an  für 19 Jahre Regent des Römischen Imperiums, zunächst mit seinem Stiefbruder Lucius Aurelius Verus als Mitregent, nach dessen Tode im Jahre 169 herrschte er 7 Jahre lange alleine. Ab 176 machte er seinen Sohn Commodus zum Mitregenten.

Marc Aurel wurde am 26. April 121 nach Christus als Sohn einer reichen und vornehmen Senatorenfamilie in Rom geboren.

Marcus widmete sich intensiv philosophischen Studien, und er durchlief die politische Ämterlaufbahn bis hin zum Konsul.

Im Mai 145 heiratete er seine Verlobte Faustina. Sie hatten insgesamt dreizehn (!) Kinder, von denen nur 6 überlebten.
Mit vierzig Jahren bestieg der friedvolle Philosoph den römischen Kaiserthron, wurde aber durch die herrschenden Umstände, die Parther-Einfälle im Orient und die beginnende Völkerwanderung im Norden des riesigen Reiches in langdauernden Kriege verwickelt, die er aber doch meist erfogreich für die Römer führte. 166-175 und 177-180 führte er schwere Kämpfe gegen u. a. die Markomannen und Quaden. 171 und 173 hatte er sein Hauptquartier in Carnuntum aufgeschlagen

Trotzdem ging Marc Aurel nicht als Feldherr, sondern als Philosoph in die Nachwelt ein. Dies ist besonders auf die von ihm in griechischer Sprache verfassten "Selbstbetrachtungen" zurückzuführen, in denen seine stoische Haltung zum Ausdruck kommt.

Als er im Jahr 180 wieder als Heerführer gegen die vordringenden Germanenstämme in Vindobona war erkrankte er unheilbar an Pest. Er sah seinem Tod mit der typisch stoischen Gelassenheit entgegen.

Hier ein Auszug über die philosophische Orientierung Marc Aurels an Hand von Textstellen aus seinen Selbstbetrachtungen, übernommen aus Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Aurel

Marc Aurel Betrachtungen 1727

Philosophische Orientierung

 Deutsche Übersetzung der Selbstbetrachtungen (1727, Archiv Gymnasium Langenberg)

Die stoischen Philosophen unter seinen Lehrern, denen Mark Aurel zeitlebens dankbar war, mögen entscheidend zu einer Wendung beigetragen haben, die bereits der zwölfjährige Marcus genommen hat, als er sich in den Mantel der Philosophen kleidete und fortan auf unbequemer Bretterunterlage nächtigte, nur durch ein von der Mutter noch mit Mühe verordnetes Tierfell gepolstert. Hier hat offenbar eine Lebenshaltung ihren Anfang genommen, die in den auf Griechisch verfassten Selbstbetrachtungen der späten Jahre festgehalten wurde. Dabei dürften die Grundlagen der dort formulierten Überzeugungen bereits frühzeitig gegolten haben, denn sie fußten auf einer bald 500-jährigen und gleichwohl lebendigen Tradition stoischen Philosophierens. Qualifizierungsprozess und Herrschaftspraxis sind gerade darum in engem Zusammenhang mit seinen Selbstbetrachtungen zu sehen, weil die Einheit von Denken und Handeln, von Wort und Tat für seine Daseinsauffassung vorrangig war:

    Es kommt nicht darauf an, über die notwendigen Eigenschaften eines guten Mannes dich zu besprechen - vielmehr ein solcher zu sein. (X, 16)

    Du kannst nicht im Schreiben und Lesen unterrichten, wenn du es nicht selber kannst; viel weniger lehren, wie man recht leben soll, wenn du es nicht selber tust. (XI, 29)

Ebenso deutlich akzentuiert hat Mark Aurel das Bewusstsein für Wahrheit und Wirklichkeit, das schon Hadrian an ihm geschätzt hatte:

    Kann mir jemand überzeugend dartun, dass ich nicht richtig urteile oder verfahre, so will ich´s mit Freuden anders machen. Suche ich ja nur die Wahrheit, sie, von der niemand je Schaden erlitten hat. Wohl aber erleidet derjenige Schaden, der auf seinem Irrtum und auf seiner Unwissenheit beharrt. (VI, 21)

    So oft du an der Unverschämtheit jemandes Anstoß nimmst, frage dich sogleich: Ist es auch möglich, daß es in der Welt keine unverschämten Leute gibt? Das ist nicht möglich. Verlange also nicht das Unmögliche. (IX, 42)

Der Stellenwert dieser Notate für die Lebenspraxis Mark Aurels erschließt sich aus dem Entstehungszusammenhang der Selbstbetrachtungen. Es handelte sich um eine Form geistiger Übungen, die darauf zielten, eine mit den Grundsätzen der Stoa übereinstimmende Lebensführung im Bewusstsein wachzuhalten und zu aktualisieren (Adrogans) sowie abweichende Emotionen zu kontrollieren. Darum ging es u.a. auch in der Einstellung zu den Mitmenschen:

    Die Menschen sind füreinander da. Also belehre oder dulde sie. (VIII, 59)

    Willst du dir ein Vergnügen machen, so betrachte die Vorzüge deiner Zeitgenossen, so die Tatkraft des einen, die Bescheidenheit des andern, die Freigebigkeit eines Dritten und so an einem Vierten wieder eine andere Tugend. Denn nichts erfreut so sehr wie die Muster der Tugenden , die aus den Handlungen unserer Zeitgenossen uns in reicher Fülle in die Augen fallen. Darum habe sie auch stets vor Augen. (VI, 48)

Vielerlei Unangenehmes zu verarbeiten, Schicksalsschläge durchzustehen und mit der eigenen Unvollkommenheit auszukommen, auch dazu qualifizierten ihn Reflexionen im Geiste der Stoa in besonderem Maße:

    Rührt ein Übel von dir selbst her, warum tust du´s? Kommt es von einem andern, wem machst du Vorwürfe? Etwa den Atomen oder den Göttern? Beides ist unsinnig. Hier ist niemand anzuklagen. Denn, kannst du, so bessere den Urheber; kannst du das aber nicht, so bessere wenigstens die Sache selbst; kannst du aber auch das nicht, wozu frommt dir das Anklagen? Denn ohne Zweck soll man nichts tun. (VIII, 17)

    Empfinde keinen Ekel, laß deinen Eifer und Mut nicht sinken, wenn es dir nicht vollständig gelingt, alles nach richtigen Grundsätzen auszuführen; fange vielmehr, wenn dir etwas mißlungen ist, von neuem an und sei zufrieden, wenn die Mehrzahl deiner Handlungen der Menschennatur gemäß ist, und behalte das lieb, worauf du zurückkommst. (V, 9)

Eine sehr ausführliche Beschreibung des Lebens und Schaffens von Marc Aurel findet man unter:

http://xmpg.org/de/Marc%20Aurel