Ruprechtsviertel

15 Wiener Neustädter Hof

Wiener Neustädter Hof

aus einer  Beschreibung alter Wiener Höfe von Auguste Groner (17.9.1921, im Wiener Tagblatt)

Wr. Neustädter Hof, Annemarie Kospach

 

....Der Berghof hat einen interessanten Nachbar, den Neustädter Hof, der jetzt dem Stifte Heiligenkreuz gehört. Wenn einer von der Sterngasse her in diesen gelangen will, findet er sich vor einem schweren, breiten Tor mit fast graziösen schmiedeeisernen Zieraten; und wer es öffnet, fühlt die glatte Klinke fast wie die Hand einer Freundin in der seinigen. Langsam dreht sich das derbe Tor in mächtigen Angeln und der eintritt, steht in mystischem Halbdunkel des tiefen, gewölbten Torweges. Ist man in eine Burg eingetreten? In ein altes monumentales Kloster? Der kühlen Dämmerung vermischt sich ein Geruch wie von feuchter Erde. Ist eine Apotheke nahe oder ein Archiv mit unzähligen alten Büchern?

Das Zwielicht des Torweges leitet zum Zwielicht des Hofes. Der liegt klein und quadratisch zwischen vier Mauern, deren jede vier Fenster in jedem der vier Stockwerke hat. Und oben - nun von dort kann manchmal die Sonne in den Backsteinschlund niedertauchen bis zum dritten oder zweiten Stockwerk. Die Wände dieses pittoresken Hofes sind architektonisch gegliedert, als wäre der Hof ein Korso für Kunstkenner. Hier öffnet sich ein Seitengang und läßt in alten Bauformen und Eisengittern strenge, herrische Schönheit vermuten, dort führt ein Gewölbebogen in vornehm gewesene Räume und zwei leere Nischen zu den beiden Seiten des gegenüberliegenden Tores, durch das man in den Berghof kommt, bitten den Beschauer, sich als ihre Bewohner vornehme, steife Statuen zu denken ohne Rokokobeweglichkeit, mit sinnendem Antlitz und vielen Röhrenfalten im Gewande. Jetzt gruppieren sich um die Nischen gewöhnlich alte, leere Kisten und Handwagerl und eine Klythia, die anderswo besser angebracht werden könnte, schaut verdrießlich auf sie nieder, so dem Anblick des Aufzuges ausweichend, der dem Hof gar nicht gut steht. Ober diesem Tor, in der Höhe des ersten Stockwerkes, hängt in starken Eisenklammern ein großer Stein. Über ihm befindet sich eine Inschrifttafel. Die Schrift, kaum lesbar, besagt, daß der Stein von den Türken während der letzten Belagerung in das Haus geworfen worden ist. Er ist jedenfalls ein interessantes Wahrzeichen des Neustädter Hofes.

Innenhof 1930

Ansicht des Innenhofes um 1930

Der Wr. Neustädter Hof wurde 1708 von der Wr. Neustädter Zisterzienserabtei Neukloster erworben und ist seit 1880 im Besitz der Zisterzienserabtei Heiligenkreuz. Der Hof wurde in der heutigen Form 1735/37 von Ospel umgebaut, und beinhaltet auch eine Hof-Kapelle, deren Inneneinrichtung z. Zt. im Stift Heiligenkreuz aufbewahrt wird (nach Abschluß der derzeitigen Renouvierungsarbeiten wird die Kapelle wieder in den Originalzustand versetzt werden). Türen, Fenster und Beschläge sind so wie viele schmiedeeisene Gitter im Innerern und auch teilweise die Raumaustattung wie Stuck und Parkettböden sind noch aus der Bauzeit erhalten. Die zweigeschoßigen mächtigen Kellergewölbe  wurde als Weinkeller berühmt.

Wr. Neustädter Hof 2002
Sterngasse um 1900

um 1900
Blick von der unteren Sterngasse aus, damals existierte noch die Rampe auf der Marc Aurel Straße

Sterngasse 193002

Sterngasse um 1940

Berghof 4

Die Berghofseite des Wiener Neustädter Hofes 2006

Türkenstein

2008

Sterngasse 2008

Sterngasse 2008

Der wohl berühmteste Bewohner des Wr. Neustädter Hofes war Johann Ladislaus Pyrker, welcher die letzten seiner Lebensjahre hier verbrachte, er starb am 2.Dezember 1847. Pyrker war Schriftsteller und ein bedeutender Kirchenfürst.