Ruprechtsviertel

Oskar Strnad

Im Oktober 1949 wurde an Oskar Strnads Geburtshaus, Ruprechtsplatz 1, durch Bürgermeister Theodor Körner eine Gedenktafel enthüllt.

Gedenktafel, Ruprechtsplatz 1
Strnad Oskar, um1926 Brandstaetterverlag Blumberger Schulz

Oskar Strnad wurde am 26. Oktober 1879 in Wien geboren. Er stammte aus einer kinderreichen jüdischen Familie.  Nach der Matura studierte er an der Technischen Hochschule in Wien Architektur.

Oskar Strnad gilt als einer der wichtigsten Architekten, Bühnenbildner und Theoretiker aber auch Kunsthandwerker und Designer des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Ab ca. 1906 machte sich Strnad als Architekt selbständig.

In Zusammenarbeit mit Oskar Wlach und Josef Frank wurde er zu einem Vorreiter einer Wiener Moderne, die unter dem Einfluss von Adolf Loos eine höchst eigenständige Position einnahm.

Strnads Hauptinteresse galt dem Wohnen. Seine Sehnsucht, so bekannte er, war es:
"formlos zu formen" und "nicht Kerker, sondern 'offene Welten' " zu bauen.

Strnad konnte dieses Konzept erstmals bei dem Haus Hock in Wien 19, Cobenzlgasse 71 vorführen. Das Haus wurde im Jahre 1912 gebaut, galt aber zu diesem Zeitpunkt als zu gewagt!

Haus Hock, Der Architekt, Jahrgang 1912

Haus Hock in Wien 19, Cobenzlgasse

Doppelhaus, Werkbundsiedlung Wien, OeNationalbibliothek

Doppelhaus in der Wiener Werkbundsiedlung

In der Zwischenkriegszeit hatte Strnad aufgrund der eher schlechten Auftragslage kaum Möglichkeiten als Architekt zu arbeiten. Sein bedeutendster Bau aus dieser Periode, war ein an die zeitgenössische Moderne angelehnte Doppelhaus in der Wiener Werkbundsiedlung in Wien 13, Engelbrechtweg 5-7, es wurde jedoch während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Neben diesem Doppelhaus konnte er nur zwei Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien realisieren. Im Jahre 1924 den „Wynarsky-Hof in Wien 20, Stromstraße 36-38  sowie 1931 eine Wohnhausanlage in Wien 15, Holochergasse 40 / Löschenkohlgasse 30-32.

Ab 1909 bis zu seinem Tode war Strnad als Lehrer an der Wiener Kunstgewerbeschule tätig.

Oskar Strnad, war in erster Linie als Innenarchitekt tätig, wobei er neben einer Reihe von Wohnungseinrichtungen vor allem eine große Zahl von Ausstellungen gestaltete.

Wohnzimmer, Der Architekt, Jahrgang 1916 Vorzimmer eines Büros, Rer Architekt, Jahrgang 1916 Badezimmer, Der Architekt, Jahrgang 1916
Gläserkollektion, Der Architekt, Jahrgang 1919

Als Designer entwarf er auch Gläser für die Firma Lobmeyr.

Strnad arbeitete ab 1918 als Bühnenbildner zunächst am Wiener Volkstheater, dann am Burgtheater und an vielen deutschen Bühnen. Ab 1923 vertieften sich  noch durch seine Freundschaft mit dem Regisseur Max Reinhardt und dem Dirigenten und musikalischen Leiter der Wiener Staatsoper, Bruno Walter, seine Kontakte mit der Theaterwelt. In der Folge entwarf Strnad unzählige Bühnenbilder  für die Oper und später für die Salzburger Festspiele. Legendär wurden die Inszenierungen für Max Reinhardt. Er stattete Goethes „Faust", Shakespeares „Sommernachtstraum", verschiedene Stücke Nestroys und Raimunds, Hoffmannsthals „Schwierigen", Mozarts „Zauberflöte", Wagners „Ring" bis hin zu Kreneks „Johnny spielt auf", sowie Alban Bergs „Wozzek“ aus.

Er gehörte in der Zwischenkriegszeit international zu den gefragtesten Künstlern dieser Sparte.

In seinen letzten Lebensjahren widmete er sich dem Medium Film. Er stattete 1934 den Film „Maskerade“ und 1935 „Episode“ als Innenarchitekt aus.

Maskerade, Das Programm von heute 1934 Episode, Illustrierter Film-Kurier 1935

Noch mit den Entwürfen der Bühnenbilder für die Oper „Die Entführung aus dem Serail“ für die Salzburger Festspiele befaßt, starb Oskar Strnad am 3. September 1935 in Bad Ausee.