Ruprechtsviertel

Der Phäake

Anton Wildgans (dessen Vorfahren haben übrigens gleich in der Nähe des Geschäfts, am Hohen Markt Nr.12 vor Jahrhunderten eine Gaststätte betrieben, siehe auch Link Brunnen), hat in seiner großen “Rede über Österreich”, unser Land mit allen Gotteswundern der Schönheit begnadet, und uns Österreicher liebevoll Phäaken genannt.

Die Phäaken, waren in der griechischen Antike die Bewohner einer kleinen Insel, welche in Ruhe und Zufriedenheit glücklich in den Tag hinein lebten.

Auf humorvolle und sarkastische Art beschrieb dann Joseph Weinheber in seinem Gedichtband “Wien wörtlich” (1935) den Phäaken so:

Der Phäake

  • Ich hab sonst nix, drum hab ich gern
    ein gutes Papperl, liebe Herrn:
    Zum Gabelfrühstück gönn ich mir
    ein Tellerfleisch, ein Krügerl Bier,
    schieb an und ab ein Gollasch ein,
    (kann freilich auch ein Bruckfleisch sein),
    ein saftiges Beinfleisch, nicht zu fett,
    sonst hat man zu Mittag sein Gfrett.
    Dann mach ich - es is eh nicht lang
    mehr auf Mittag - mein' Gesundheitsgang,
    geh übern Grabn, den Kohlmarkt aus
    ins Michaeler Bierwirtshaus.
    Ein Hühnersupperl, tadellos,
    ein Beefsteak in Madeirasoß,
    ein Schweinspörkelt, ein Rehragout,
    Omletts mit Champignon dazu,
    hernach ein bisserl Kipfelkoch
    und allenfalls ein Torterl noch,
    zwei Seidel Göß - zum Trinken mag
    ich nicht viel nehmen zu Mittag -
    ein Flascherl Gumpolds, nicht zu kalt,
    und drei, vier Glaserl Wermut halt.
    Damit ich's recht verdauen kann,
    zünd ich mir mein Trabukerl an
    und lehn mich z'rück und schau in d' Höh,
    bevor ich auf mein' Schwarzen geh.

    Wann ich dann heimkomm, will ich Ruh,
    weil ich ein Randerl schlafen tu,
    damit ich mich, von zwei bis vier,
    die Decken über, rekreir.
    Zur Jausen geh ich in die Stadt
    und schau, wer schöne Stelzen hat,
    ein kaltes Ganserl, jung und frisch,
    ein Alzerl Käs, ein Stückerl Fisch,
    weil ich so früh am Nachmittag
    nicht schon was Warmes essen mag.
    Am Abend, muß ich Ihnen sagn,
    eß ich gern leicht, wegn meinen Magn,
    Hirn in Aspik, Kalbsfrikassee,
    ein kleines Züngerl mit Püree,
    Faschiertes und hin und wieder wohl
    zum Selchfleisch Kraut, zum Rumpsteak Kohl,
    erst später dann, beim Wein zur Not,
    ein nett garniertes Butterbrot.
    Glaubn S' nicht, ich könnt ein Fresser wern,
    ich hab sonst nix, drum leb ich gern,
    kein Haus, kein Auto, nicht einmal
    ein G'wehr im Überrumplungsfall.
    Wenn nicht das bissel Essen wär - -
    (Stimme des Volkes)
    Segn S', deswegen ham S' nix, liaber Herr!

 aus : http://home.ccc.at/lroll/phaeake.htm